Ryanair schließt zum Ende Oktober 2026 seine Betriebsbasis am Flughafen Thessaloniki Makedonia – und streicht damit zwölf Routen sowie rund 700.000 Sitzplätze im griechischen Streckennetz. Auslöser ist ein handfester Streit mit dem deutschen Flughafenbetreiber Fraport, der die Gebühren nach eigenen Angaben der Airline um 66 Prozent über das Vor-Pandemie-Niveau angehoben hat. Wer im Winter 2026/27 günstig nach Nordgriechenland, Kreta oder Athen fliegen wollte, muss sich jetzt nach Alternativen umsehen. Gleichzeitig baut Aegean Airlines sein innergriechisches Netz mit elf neuen Direktverbindungen aus – die Lage ist also so widersprüchlich wie selten zuvor.

Was ist genau passiert?
Am 8. Mai 2026 bestätigte Ryanair offiziell, was in Thessaloniki schon Tage zuvor als Gerücht die Runde gemacht hatte: Die Billigfluglinie schließt ihre Betriebsbasis am Flughafen Thessaloniki zum Ende Oktober 2026 – und begründet dies mit den erhöhten Jahresgebühren des Flughafenbetreibers Fraport. Ryanair-Chef-Vertriebsvorstand Jason McGuinness legte in Athen nach: „Fraport Greece hat die Gebühren kontinuierlich erhöht und liegt jetzt 66 Prozent über dem Vor-Covid-Niveau“, erklärte McGuinness und kündigte zugleich eine Kapazitätsreduzierung am Flughafen Athen für den bevorstehenden Winter an.
Die kombinierten Maßnahmen führen zum Verlust von 700.000 Passagiersitzen und zwölf Routen in ganz Griechenland sowie zur Aussetzung des Betriebs an den Flughäfen Chania und Heraklion auf Kreta in den Nebensaisonmonaten. Für eine Stadt wie Thessaloniki wiegt das besonders schwer: Ryanair stellte zuletzt 90 Prozent der internationalen Kapazität des dortigen Flughafens – ein Rückzug könnte „verheerend für die Stadt“ sein, warnte McGuinness selbst.
Fraport weist die Vorwürfe zurück
Fraport Greece sieht das naturgemäß anders. Der Flughafenbetreiber erklärte, Ryanairs Entscheidung sei „ausschließlich mit der kommerziellen Strategie und den Rentabilitätserwägungen“ der Airline verbunden. Jegliche Verknüpfung mit Flughafengebühren oder der staatlichen Flughafenentwicklungsgebühr sei „völlig unbegründet“.
Fraport betonte, mehr als 100 Millionen Euro in den Ausbau des Flughafens Thessaloniki investiert zu haben, und bekräftigte sein Bekenntnis zu einer modernen Infrastruktur, die der wachsenden Passagiernachfrage gerecht werden soll. Ryanair konterte darauf noch schärfer: Anstatt die vom griechischen Staat beschlossene Senkung der Flughafenentwicklungsgebühr um 75 Prozent an alle Airlines und Passagiere weiterzugeben, habe Fraport diesen Steuervorteil einbehalten, um die Gewinne der deutschen Aktionäre zu erhöhen.
Welche Strecken fallen weg – und wen trifft es?
Konkret werden aus Thessaloniki die Verbindungen nach Berlin, Chania, Frankfurt-Hahn, Göteborg, Heraklion, Niederrhein, Poznań, Stockholm, Venedig-Treviso und Zagreb gestrichen. Hinzu kommen Streckenkürzungen ab Athen sowie die bereits erwähnte Aussetzung der Verbindungen nach Chania und Heraklion in den Wintermonaten.
Die abgezogenen Flugzeuge sollen nach Albanien, Italien und Schweden verlagert werden – Märkten, an denen die Flughäfen laut Ryanair staatliche Steuersenkungen an die Airlines weitergegeben und damit mehr Konnektivität, Tourismus und Arbeitsplätze geschaffen hätten.
Wer also im Winter 2026/27 von Nordgriechenland direkt nach Nordeuropa oder in andere Mittelmeerländer fliegen möchte, steht vor einem deutlich ausgedünnten Angebot. Pauschalreisen nach Griechenland über den Flughafen Thessaloniki werden im Winter deutlich teurer oder erfordern Umstiege.
Ryanair fordert ein Ende des Fraport-Monopols
Ryanair beschränkte sich nicht auf Kritik, sondern forderte politische Konsequenzen. Die Airline rief die griechische Regierung auf, das Fraport-Monopol aufzubrechen, und begründete dies mit dem 66-prozentigen Anstieg der Flughafengebühren sowie dem Versäumnis des Staates, sicherzustellen, dass Steuerreduzierungen bei Airlines und Passagieren ankämen. Ryanair verlangte ein Eingreifen des Staates, um das bestehende Flughafenbetreibermodell zu restrukturieren und den Wettbewerb auf dem griechischen Luftfahrtmarkt wiederherzustellen.
Im November 2024 hatte die griechische Regierung die Flughafenentwicklungsgebühr von 12 auf 3 Euro pro Passagier gesenkt – Ryanair behauptet, Fraport Greece habe diese Mittel einbehalten, anstatt die Kosten für Passagiere und Airlines zu senken.
Das Gegengewicht: Aegean Airlines startet elf neue Insel-Direktverbindungen
Während Ryanair das griechische Streckennetz ausdünnt, geht Aegean Airlines in die entgegengesetzte Richtung. Aegean erweiterte im Sommer 2026 ihr innergriechisches Streckennetz um elf neue Direktverbindungen und verbindet damit Thessaloniki mit Milos und Zakynthos, Heraklion mit Santorini, Mykonos, Mytilini, Paros und Syros, Rhodos mit Milos, Mykonos und Naxos sowie Santorini mit Mykonos.
Diese neuen Verbindungen ermöglichen Direktflüge zwischen Insel- und Regionalflughäfen ohne Umstieg über Athen – ein echter Mehrwert für alle, die mehrere griechische Inseln in einer Reise kombinieren möchten. Bisher fungierte der Flughafen Athen-Eleftherios Venizelos als fast ausschließliches Nadelöhr für Flugreisen innerhalb Griechenlands. Wer beispielsweise von Kreta nach Mykonos oder von Rhodos nach Milos reisen wollte, musste entweder den Seeweg wählen oder einen zeitaufwendigen Umweg über Athen in Kauf nehmen.
Für Last-Minute-Reisende nach Griechenland eröffnen sich damit ganz neue Insel-Hopping-Optionen – sofern man flexibel genug ist und auf innergriegische Flüge statt auf Fähren setzt.
Zusätzliche neue Strecken ab Deutschland nach Griechenland
Auch von deutschen Flughäfen aus gibt es 2026 Bewegung. LEAV Aviation hat neue Direktverbindungen vom Flughafen Erfurt-Weimar nach Rhodos und Kreta aufgenommen: Der erste Flug nach Rhodos startete am 1. September 2026, die Verbindung nach Kreta folgte am 3. September. Rhodos wird im September und Oktober jeweils dienstags und freitags angeflogen, Kreta montags und donnerstags – insgesamt bietet LEAV vier wöchentliche Flüge zu den beiden griechischen Inseln.
Eurowings nahm zudem im Juli 2026 die neue Verbindung zwischen Berlin Brandenburg und Kavala im Norden Griechenlands auf, die zweimal wöchentlich angeboten wird. Kavala ist eines von sechs neuen Zielen, mit denen Eurowings ihr Angebot am BER im Sommer 2026 erweiterte.
Außerdem fliegt Eurowings ab Düsseldorf neu nach Karpathos in Griechenland. Und Condor nahm pünktlich zum Start der Sommersaison 2026 die griechische Destination Kalamata wieder in ihr Flugprogramm ab Hamburg auf – mit dem Erstflug am 1. Mai, der Reisende direkt auf die sonnige Peloponnes bringt.
Wer gezielt nach Städtereisen nach Thessaloniki oder auf die Inseln sucht, sollte die Buchungslage jetzt im Blick behalten – denn mit dem Ryanair-Rückzug dürfte die verbleibende Kapazität teurer werden.
Was bedeutet das für Griechenland als Reiseziel?
Der Ryanair-Rückzug trifft Griechenland zu einem sensiblen Zeitpunkt: Als weltweit führendes Sommerziel im Mittelmeerraum ist Griechenland stark vom Tourismus abhängig. Griechische Medien hatten die Schließung der Ryanair-Basis in Thessaloniki bereits antizipiert, was bei Stadtbehörden Bedenken über die Auswirkungen auf Tourismusjobs auslöste.
Die Situation verdeutlicht ein strukturelles Problem: Günstige Konnektivität im Winter hängt in Griechenland stark an einzelnen Billigfluglinien. Wenn diese abziehen, weil sich der Betrieb nicht rechnet, leidet die Erreichbarkeit ganzer Regionen – besonders außerhalb der Hochsaison. Wer im Herbst oder Winter Europas Süden bereisen möchte, sollte jetzt Alternativen prüfen und möglichst frühzeitig buchen.
Für alle, die flexibel sind: Über die Startseite von news.tourismus.com finden Sie aktuelle Angebote und Informationen zu Griechenland-Reisen, sobald sich die Lage weiterentwickelt.
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Häufige Fragen: Ryanair, Thessaloniki und Griechenland-Flüge 2026
Ab wann gilt die Schließung der Ryanair-Basis in Thessaloniki?
Ryanair hat angekündigt, die Betriebsbasis am Flughafen Thessaloniki Makedonia zum Ende Oktober 2026 zu schließen. Ab dem Winterflugplan 2026/27 werden keine eigenen Flugzeuge mehr dort stationiert sein.
Welche Strecken streicht Ryanair in Griechenland konkret?
Insgesamt fallen zwölf Routen weg – zehn davon ab Thessaloniki (u. a. nach Berlin, Frankfurt-Hahn, Stockholm, Göteborg, Venedig-Treviso und Zagreb) sowie zwei ab Athen. Zusätzlich wird der Betrieb an den Flughäfen Chania und Heraklion auf Kreta in den Nebensaisonmonaten ausgesetzt.
Warum zieht Ryanair sich aus Thessaloniki zurück?
Ryanair begründet den Schritt mit einem Anstieg der Flughafengebühren von Fraport Greece um 66 Prozent gegenüber dem Vor-Pandemie-Niveau. Fraport seinerseits weist die Vorwürfe zurück und spricht von einer rein kommerziellen Entscheidung der Airline.
Was ist mit der staatlichen Gebührensenkung, von der Ryanair spricht?
Die griechische Regierung hatte die Flughafenentwicklungsgebühr im November 2024 von 12 auf 3 Euro pro Passagier gesenkt – eine Reduktion um 75 Prozent. Ryanair behauptet, Fraport habe diese Einsparung nicht an Airlines und Passagiere weitergegeben, sondern einbehalten. Fraport widerspricht dieser Darstellung.
Was unternimmt Aegean Airlines als Reaktion?
Aegean Airlines hat unabhängig vom Ryanair-Streit im Sommer 2026 elf neue innergriechische Direktverbindungen eingeführt, die erstmals Insel-zu-Insel-Flüge ohne Umstieg über Athen ermöglichen – zum Beispiel von Heraklion nach Santorini oder von Rhodos nach Mykonos.
Gibt es neue Griechenland-Flüge ab deutschen Regionalflughäfen?
Ja: LEAV Aviation fliegt seit September 2026 ab Erfurt-Weimar nach Rhodos und Heraklion (Kreta), Eurowings verbindet Berlin mit Kavala und Düsseldorf mit Karpathos, und Condor fliegt ab Hamburg wieder nach Kalamata auf der Peloponnes.
Lohnen sich Griechenland-Reisen im Winter 2026/27 noch?
Ja, aber die Auswahl an Direktflügen – besonders nach Nordgriechenland und auf Kreta außerhalb der Saison – ist schmaler geworden. Wer flexibel ist, profitiert weiterhin von den neuen Aegean-Inselverbindungen. Eine frühzeitige Buchung ist empfehlenswert, da das reduzierte Angebot die Preise der verbleibenden Flüge treiben dürfte.



