Das lange angekündigte Europäische Reiseinformations- und Genehmigungssystem ETIAS lässt weiter auf sich warten. Im Juli 2026 verschwand der bis dahin kommunizierte Starttermin „letztes Quartal 2026“ still und leise von der offiziellen EU-Informationsseite – ein deutliches Signal, dass das System in diesem Jahr nicht mehr an den Start geht. Fachleute rechnen inzwischen frühestens mit einem Start im Jahr 2027.
Es ist eine der wichtigsten Meldungen des Reisejahres 2026 – auch wenn deutsche Urlauberinnen und Urlauber selbst gar kein ETIAS benötigen. Wir ordnen ein, was hinter der erneuten Verschiebung steckt, wen die neue Einreisegenehmigung betrifft, was sie kosten soll und was Reisende jetzt konkret beachten müssen.
Was ist ETIAS überhaupt?
ETIAS steht für „European Travel Information and Authorisation System“. Dahinter verbirgt sich eine digitale Einreisegenehmigung nach dem Vorbild des US-amerikanischen ESTA. Betroffen sind Bürgerinnen und Bürger aus rund 60 visumbefreiten Drittstaaten – darunter die USA, Kanada, Australien, Japan und seit dem Brexit auch das Vereinigte Königreich. Wer aus einem dieser Länder für einen Kurzaufenthalt von bis zu 90 Tagen nach Europa reisen möchte, soll künftig vor Reiseantritt online eine Genehmigung beantragen.
Die Genehmigung gilt für 30 europäische Länder: alle EU-Staaten mit Ausnahme Irlands sowie zusätzlich Island, Norwegen, Liechtenstein und die Schweiz. Nach der Ausstellung ist ein ETIAS bis zu drei Jahre gültig – oder so lange, bis der im Antrag hinterlegte Reisepass abläuft. Innerhalb dieser Zeit berechtigt die Genehmigung zu beliebig vielen Kurzaufenthalten von jeweils höchstens 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen.
Wer braucht ETIAS – und wer nicht?
An dieser Stelle entsteht regelmäßig Verwirrung, deshalb sei es klar gesagt: Deutsche und alle anderen EU-Bürger benötigen ETIAS nicht. Das System richtet sich ausschließlich an Reisende aus Nicht-EU-Staaten. Wer mit deutschem Pass innerhalb Europas unterwegs ist, ist von ETIAS also überhaupt nicht betroffen – weder beim Flug nach Mallorca noch bei der Autofahrt nach Österreich oder Italien.
Trotzdem ist das Thema für den deutschen Reisemarkt von großer Bedeutung. Zum einen betrifft es den Incoming-Tourismus, also die ausländischen Gäste, die Deutschland und Europa besuchen – ein Milliardenmarkt, der auf reibungslose Einreiseprozesse angewiesen ist. Zum anderen verwechseln viele Reisende ETIAS mit anderen Systemen, die sehr wohl auch für Deutsche gelten. Dazu weiter unten mehr.
Warum verzögert sich der Start – schon wieder?
Die Geschichte von ETIAS ist eine Geschichte der Verschiebungen. Ursprünglich sollte das System bereits 2021 in Betrieb gehen, später war von Mai 2025 die Rede, zuletzt vom letzten Quartal 2026. Nun ist auch dieser Termin faktisch vom Tisch. Wie der Nachrichtensender Euronews und die Financial Times übereinstimmend berichten, hat die zuständige EU-Agentur eu-LISA intern eingeräumt, dass ein Start bis Ende dieses Jahres nicht mehr machbar sei.
Der Hauptgrund liegt im holprigen Start des eng verwandten Ein- und Ausreisesystems EES (Entry/Exit System), das die Passstempel an den EU-Außengrenzen durch eine biometrische Erfassung ersetzt. Dessen Einführung hatte an mehreren Grenzübergängen für lange Wartezeiten gesorgt. Eine mit den Beratungen vertraute Person brachte es gegenüber Euronews auf den Punkt: Man solle erst das EES sauber zum Laufen bringen, bevor man mit ETIAS ein zweites System einführe, das die Schlangen erneut verlängern könnte. Kurz gesagt: Brüssel will nicht riskieren, dass zwei neue Grenzsysteme gleichzeitig für Chaos sorgen.
Was soll ETIAS kosten?
Auch bei den Kosten hat sich zuletzt etwas getan. War ursprünglich eine Gebühr von rund sieben Euro vorgesehen, so wurde diese im Zuge der Vorbereitungen auf 20 Euro pro Antrag angehoben. Kostenfrei bleibt der Antrag für Reisende unter 18 und über 70 Jahren – auch sie müssen ETIAS jedoch beantragen. Bezahlt wird online per Karte, unmittelbar im Rahmen des digitalen Antrags. Da die Genehmigung bis zu drei Jahre gültig ist, fällt die Gebühr für Vielreisende überschaubar aus.
Was deutsche Reisende jetzt beachten sollten
Für den nächsten Europa-Urlaub müssen Reisende mit deutschem oder anderem EU-Pass rein gar nichts tun – ETIAS betrifft sie nicht. Wichtig ist aber, das System nicht mit anderen elektronischen Genehmigungen zu verwechseln, die deutsche Urlauber tatsächlich brauchen:
- Großbritannien: Für Reisen ins Vereinigte Königreich ist inzwischen die kostenpflichtige elektronische Reisegenehmigung ETA erforderlich. Wir haben früh über die Einführung der elektronischen Einreisegenehmigung für Großbritannien berichtet – sie ist heute Pflicht und sollte rechtzeitig vor Abflug beantragt werden.
- USA: Für die Vereinigten Staaten gilt weiterhin das seit Jahren etablierte ESTA. Ohne gültige ESTA-Genehmigung lässt keine Airline Reisende an Bord.
Wer diese Genehmigungen mit ETIAS in einen Topf wirft, riskiert im schlimmsten Fall die Nichtbeförderung. Die gute Nachricht: Für das Reisen innerhalb Europas ändert sich bis auf Weiteres nichts. Wichtig ist ohnehin immer ein Reisepass oder Personalausweis, der über das Reisedatum hinaus gültig ist.
Wie geht es mit ETIAS weiter?
Einen belastbaren neuen Starttermin gibt es derzeit nicht. Eine überarbeitete Zeitplanung wird nach der nächsten Vorstandssitzung von eu-LISA im September 2026 erwartet. Als wahrscheinlichstes Szenario gilt inzwischen ein Start im Jahr 2027 – und selbst dann voraussichtlich mit einer mehrmonatigen Übergangsphase, in der ETIAS zunächst empfohlen und erst später verpflichtend wird. Die EU hat zugesichert, den konkreten Termin mehrere Monate im Voraus bekanntzugeben.
Für Reisende bedeutet das vor allem eines: Ruhe bewahren. Wer eine Europareise plant, muss ETIAS auf absehbare Zeit nicht einkalkulieren. Betroffene Nicht-EU-Gäste sollten sich ausschließlich über die offiziellen EU-Kanäle informieren und keinesfalls auf unseriöse Drittanbieter hereinfallen, die schon heute überteuerte „Vorab-Anträge“ verkaufen. Sobald ein verbindlicher Starttermin feststeht, werden wir an dieser Stelle ausführlich darüber berichten.
Quellen: Euronews (Travel), Financial Times sowie die offiziellen Informationen der Europäischen Union unter travel-europe.europa.eu. Stand: 29. August 2026.



