23. September 2017 |
 
 
 

Air Berlin meldet Insolvenz an

3 von 5 Sternen
(2 Bewertungen)


Das Desaster ist perfekt: Air Berlin, Billig-Airline und einst Liebling der Anleger, hat sich abgewirtschaftet. Am Vormittag des 15.08. reichten die Inhaber den Insolvenzantrag ein, allen bisherigen Versicherungen zum Trotz. Es ist ein Drama, auch weil die Finanzierung durch den Großaktionär Etihad zunächst als gesichert galt –  doch die arabische Staatsairline blieb eine wichtige Rate von über 50 Millionen schuldig. Was das nun für die Reisenden bedeutet, erfahren Sie hier.

Der Staat springt in die Bresche

Es kam wie es kommen musste. Über 100.000 Fluggäste sind mit Air Berlin zum jetzigen Zeitpunkt unterwegs und überall auf der Welt verteilt. Um niemanden stranden oder sich selbst zu überlassen, mussten über 150 Millionen Sofortkredit gewährleistet werden durch die staatliche Förderbank KfW.

Einstimmig sei die Entscheidung getroffen worden, so Brigitte Zypries (SPD). Bis Ende November ließe sich der Flugbetrieb Air Berlins mit dem Übergangskredit noch sichern, was danach jedoch kommt; ungewiss. Selbstredend zeigen viele große Fluggesellschaften Interesse an Anteilen von Air Berlin. Fortgeschrittene Verhandlungen haben sowohl mit Lufthansa als auch anderen Fluggesellschaften bereits angefangen. Der Anbieter soll in Teilen von vielen anderen Fluggesellschaften absorbiert werden, eine gänzliche Übernahme komme aufgrund von Kartellbedenken nicht in Frage.

Für die Fluggäste bedeutet dies, der Hiobsbotschaft zum Trotz: stranden muss niemand. Der Übergangskredit gilt als sicher, der Flugbetrieb ist bis zum Ende des Jahres in großen Teilen gewährleistet. Der Gewinner des Ganzen? Lufthansa. Die Stellung des deutschen Flugunternehmens lasse sich nun besser ausbauen, Marktanteile warten nun regelrecht darauf, erobert zu werden. So hat das zehnjährige Absenken des Aktienwertes nun einen endgültigen Tiefpunkt erreicht. Der Investor Etihad sieht die Schuld übrigens bei den Deutschen: Geschäftliche Verfehlungen hätten dazu geführt, dass „wichtige strategische Ziele“ nicht erreicht werden konnten.