19. August 2017 |
 
 
 

Mountainbike Urlaub in Südtirol

0 von 5 Sternen
(0 Bewertungen)


MountainbikerRadfahren ist zunehmend Ausdruck eines ganz speziellen Lifestyles. Deshalb wollen immer mehr Menschen auch im Urlaub Rad fahren. Die Kategorie der eingefleischten Radler, die im Zelt oder in einer Pension übernachten und während ihres gesamten Urlaubs täglich und fast ausschließlich Rad fahren möchten, ist letzthin kaum angewachsen.

Sehr wohl im Wachsen begriffen ist dagegen die Gruppe der „Genussradler“. Das sind jene Fahrradfahrer, die mehrere Tage Urlaub in Südtirol buchen und dann ein- bis zweimal im Rahmen ihres Aufenthalts eine Ausfahrt mit dem Fahrrad unternehmen. Für diese wachsende Zielgruppe haben sich die Anbieter im Burggrafenamt genauso wie im übrigen Südtirol gut gerüstet. Viele Hotels bieten hochwertige Leihräder und geführte Radausflüge für ihre Kunden an; ebenso kommt die Möglichkeit, die Fahrt auf einem Leihrad mit einer Zugfahrt, etwa in der Vinschger Bahn, zu kombinieren, sehr gut bei den Gästen an.

Die Seiser Alm – Paradies für Mountainbiker

Dass es derzeit einen Radfahrboom gibt, der im Tourismus deutlich zu spüren ist, bekräftigt Hubert Unterweger ebenfalls. Und der Direktor des Tourismusverbands Seiser Alm Marketing betont, man wolle von diesem Trend, von dieser „Welle“ profitieren. Um speziell für Mountainbiker ein attraktives Angebot zu schaffen, hat sich das Gebiet der Seiser Alm mit Gröden zusammengeschlossen: Beide Gebiete konnten insgesamt fast 1000 Kilometer an Fahrradstrecken für Mountainbiker festlegen, die sich derzeit in knapp 25 Touren gliedern. „Seit dem Sommer 2009 sind diese Strecken zum Zwecke der Erfassung mit Mountainbikes abgefahren worden, es wurden Wegpunkte markiert und auf diese Weise die Strecken für Urlauber ausgewiesen“, erklärt Hubert Unterweger, der Wert darauf legt zu betonen, dass ausschließlich bereits bestehende Wege genützt werden und dass deren Verlauf sowohl mit etwaigen Grundbesitzern als auch mit den verantwortlichen der Naturparkverwaltung abgestimmt worden seien. Im Internet sind die Touren im Gebiet Gröden-Seiser Alm bereits abrufbar und können zum Gebrauch auf GPS-Geräte downgeloadet werden; noch in diesem Herbst soll außerdem ein entsprechender Tourenführer in Papierform veröffentlicht werden. „Damit sind die ersten Voraussetzungen für die Entwicklung einer Raddestination geschaffen“, stellt Tourismusmann Unterweger fest; dennoch bleibe vieles zu tun: In Gröden gibt es bereits drei auf Radfahrer spezialisierte Hotels, im Seiser-Alm-Gebiet noch keines. Dafür bestünden in beiden Gebieten Radverleihstationen; Bikeschulen befinden sich im Aufbau.

„Bestens ausgebildete Bike-Guides, die die Radurlauber bei geführten Biketouren begleiten“: damit und mit der Möglichkeit, dass Mountainbikern, die gerne allein auf Tour gehen, vorgezeichnete Strecken zum Herunterladen auf ihr GPS-Gerät zur Verfügung gestellt werden, wirbt die in der SMG formierte Angebotsgruppe der Südtiroler Mountainbike-Hotels (bikehotels.it). Wie SMG-Direktor Christoph Engl erklärt, haben sich etwa 30 heimische Hoteliers in dieser Gruppe zusammengeschlossen. Mit speziell zugeschnittenen Angeboten wollen sie den Bedürfnissen von Radfahrern entgegenkommen und Pakete für diese Zielgruppe schnüren.

„Das ist eine sehr gute Initiative“, urteilt Armin Pomella vom Hotel Traminer Hof in Tramin über die Angebotsgruppe. Er selbst ist ihr mit seinem Haus vorerst noch nicht beigetreten, gehört er doch bereits der Angebotsgruppe „Mountain Bike Holidays“ (bike-holidays.com) an. Pomella kann ohne Übertreibung zu den Pionieren des Radtourismus in Südtirol gezählt werden, bewirbt er seinen Traminer Hof doch schon seit 1993 explizit als Mountainbikehotel. Heute bietet der Hotelier, der selbst ausgebildeter Mountainbikeführer ist, seinen Rad fahrenden Gästen geführte Touren in den verschiedenen Leistungsklassen an, genauso wie die Möglichkeit eines Mountainbike-Techniktrainings, einen Verleih von Fahrrädern und GPS-Geräten, einen Waschplatz für Räder sowie die passende Ernährung für Radler, um nur die wichtigsten Angebote zu nennen. Je nach Leistungskategorie und Art des Radfahrens (Mountainbike, Rennrad, Tourenbike) werden die Angebote auch noch spezifisch angepasst.

Fast ausschließlich auf Radfahrer konzentriert sich das Geschäft von Fun-active Tours in Niederdorf. Inhaber Freddy Mair war früher Mountainbike-Profi; heute ist er der Chef des wohl einzigen Radreiseveranstalters in Südtirol. Schon seit zehn Jahren organisiert Mair mit seinem Unternehmen Funactive Tours geführte Touren für Radler, die aus dem Ausland nach Südtirol kommen, und beispielsweise in mehreren Tagen von Toblach nach Venedig radeln möchten. Mair hat aber genauso Ausflüge für Südtiroler im Angebot, die im Ausland radeln möchten (etwa auf dem Donauradwanderweg). Neben einem Bike-Guide stellt Funactive Tours seinen Kunden je nach Wunsch Kartenmaterial in digitaler oder in Papierform zur Verfügung, organisiert aber auch ein Begleitfahrzeug, den Koffertransfer oder einen Reparaturservice. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Niederdorf fünf Personen; während der Radsaison sind weitere etwa fünf Mitarbeiter als Radführer für Funactive Tours tätig.

Rund um den Kalterer See und inmitten der Weinberge

Kaltern erprobt jetzt, wie gut es ankommt, wenn mit Mountainbikes Genussziele zu zahlreichen Kellereien der Umgebung angepeilt werden. Bikes und Wein sollen das Radfahren zu einem neuartigen Erlebnis machen. Zu diesem Zweck haben das Ressort für Mobilität, der Tourismusverein Kaltern und der Verein Südtiroler Weinstraße gemeinsam mit Südtirol Bike Arena drei Bike-Genusstouren konzipiert. Ausgehend von der Landeshauptstadt und dem Radverleih am Bahnhof Bozen Süd führen die Genusstouren die Radler längs eines längeren Rundparcours ins Überetsch, wo sie zwischen verschiedenen Weinrouten wählen können.

Kaltern ist erst der Anfang. Ähnliche Projekte, die Radfahren zum Gesamterlebnis machen, sollen auch in anderen Landesteilen entstehen. In Ratschings sei ebenfalls ein Projekt bereits in den Startlöchern.
Ausgebaut wird demnach wohl auch Südtirols E-Bike-Angebot. Derzeit sind im Netzwerk „Südtirol Rad“ 30 Radverleihstationen in ganz Südtirol eingebunden, wobei überall neben herkömmlichen Mountainbikes auch E-Bikes erhältlich sind – insgesamt rund 200 an der Zahl.

Südtirol ist eine der Top-Destinationen zum Biken und hat dazu durchaus gute Voraussetzungen, dies auch in Zukunft zu bleiben: Es verfügt über ein rund 400 Kilometer umfassendes übergemeindliches Fahrradwegenetz, wobei sich weitere 400 Kilometer in Planung bzw. in Bau befinden. Es bietet reizvolle Routen sowohl in der Ebene als auch am Berg, sowohl fürs Rennrad als auch für das Mountainbike. Es kann auf spezialisierte Bikehotels bauen, genauso wie auf die Bikemobil Card, die durch die Kombination der Leihfahrräder mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausgedehnte Tagestouren ermöglicht. Und sie haben, wenn sie – so wie in Kaltern – mit reizvollen Ausflugszielen kombiniert werden, einen Unterhaltungswert, der sich ohne weiteres touristisch nutzen lässt.