29. May 2017 |
 
 
 

Leicht wie ein Vogel – die Magie des Gleitschirmfliegens in der Rhön

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Bild: Pepjin Meyer zu SchlochternZahlreiche Menschen suchen nach Möglichkeiten, den stressigen Alltag einmal hinter sich zu lassen. Wunderbar dafür geeignet ist das Gleitschirmfliegen, bei dem man federleicht mit dem Aufwind durch die Luft getrieben wird. Ein Gefühl von Schwerelosigkeit, das fasziniert. Und doch genau der richtige Grad an Nervenkitzel, um nicht schnell wieder langweilig zu werden. Das kann durchaus süchtig machen.

Bild: Pepjin Meyer zu SchlochternDiese Sucht befriedigt die Drachen- und Gleitschirmflugschule Papillon, die größte und bekannteste Flugschule Europas, seit mehr als 10 Jahren auf der Wasserkuppe, dem höchsten Berg in der hessischen Rhön. Seit dem Jahr 2000 hat Papillon über 40 Prozent aller in Deutschland erteilten Fluglizenzen ausgestellt. Hier lernen selbst absolute Neulinge von sehr erfahrenen und professionellen Trainern, welche jahrelange Praxiserfahrung aufweisen können. Jedes Jahr veranstaltet Papillon Schnupperkurse für interessierte Neueinsteiger, bei denen Theorie und Praxis miteinander vereint werden, um größtmögliche Sicherheit beim Gleitschirmfliegen zu gewährleisten. Die Schnupperkurse werden in der Regel jeweils am Wochenende veranstaltet und dauern zwei Tage. Wer dann von der Sucht des Gleitschirmfliegens angesteckt ist, dem bietet sich der einwöchige Kombikurs an, an dessen Ende der Erwerb des Höhenflugausweises steht. Dieser berechtigt zu Gleitschirmflügen mit Flugauftrag im Schulungsgebiet. Ab der A-Lizenz sind sogar Gleitschirmflüge in Höhen von 4000 m möglich. Um eigenständig in den Fluggebieten der Welt fliegen zu dürfen, bietet die Flugschule den Abschluss der Ausbildung mit der Höhenflugschulung auf der wetterbegünstigten Alpensüdseite ab. Nach dem Papillon Schulungsstandard dauert die gesamte Ausbildung bis zur Erlangung der Gleitschirmlizenz nur zwei Wochen.

Die Flugschule bietet des Weiteren auch ganze Urlaubstouren sowohl für Hobby- und Genussflieger als auch für fortgeschrittenere Gleitschirmflieger sowie Kurse für Motormschirmfliegen an. Zusätzliche Theoriekurse im Winter, bei denen ausführlicher in die Materie der Aerodynamik und Flugkunst eingestiegen wird, runden das Angebot ab. Wer im Winter eher Lust auf Aktivität verspürt, für den gibt es Snow-Kite-Kurse. Aber auch die Gleitschirm-Einsteigerkurse finden im Winter weiterhin statt. Auf der Wasserkuppe ist der Flugbetrieb fast das ganze Jahr über möglich.

Nähere Informationen zum Einsteigerkurs

Die Einsteiger- und Schnupperkurse für Gleitschirmneulinge finden in der Regel immer am Wochenende statt. Laut dem Papillon-Geschäftsführer Andreas Schubert sei Mitte August die perfekte Zeit zum fliegen. Der Kurs ist allerdings eher etwas für Frühaufsteher, schon um 6.30 Uhr morgens beginnt die erste Schulung, bei der die Grundlagen von Start, Flug und Landung den Teilnehmern näher gebracht werden. Direkt im Anschluss folgt die Ausgabe der Ausrüstung und, sofern das Wetter mitspielt, geht es dann auch schon los mit den ersten Flugversuchen. An den zwei Kurstagen lernt und trainiert man fleissig die Grundlagen des Gleitschirmflugs. Bereits ab 150 Euro, zuzüglich der Kosten für eine Unterkunft in der Rhön, ist man dabei.

Wer mehr fliegen will wählt den Kombikurs

Wen der Einsteigerkurs auf den Geschmack gebracht hat, der kann direkt im Anschluss, oder aber natürlich zu einem späteren Zeitpunkt, den Gleitschirm-Kombikurs buchen. Dieser beinhaltet alle Elemente der Grundausbildung sowie den Aufbaukurs. Insgesamt werden 15 Höhenflüge und 25 Theoriestunden absolviert. Teilnehmer des Schnupperkurses können sich die 150 Euro Kursgebühr übrigens auf den Preis für den einwöchigen Kombikurs anrechnen lassen. Am Ende des Kombikurses wartet der weiter oben bereits erwähnte Höhenflugausweis.

Ist Gleitschirmfliegen eine sichere Sportart ?

Naturgemäß bringen Luftsportarten einige Risiken mit sich, allerdings sind tödliche Unfälle aufgrund der niedrigen Fluggeschwindigkeiten beim Gleitschirmfliegen wesentlich seltener als bei anderen Luftsportarten, wie Segelfliegen oder Ultraleichtfliegen. Nur selten kommt es zu Unfällen mit kleineren Verletzungen wie Prellungen oder Verstauchungen.

In den letzten 10 Jahren wurden durchschnittlich 100 Gleitschirmunfälle mit Verletzungen pro Jahr gemeldet, ungefähr 9 Unfälle endeten im Durchschnitt pro Jahr tödlich. Wegen der noch geringeren Zahl der Hängegleiterpiloten, beläuft sich die Zahl der Unfälle mit Verletzungen auf rund 20 pro Jahr sowie durchschnittlich 2 Unfälle mit Todesfolge im Jahr. Die Gesamtzahl der aktiven Gleitschirm- und Drachenflieger in Deutschlang liegt derzeit zwischen 25.000 und 30.000 Personen.

Das Gleitschirmfliegen erfordert viel Eigenverantwortung, Risikobewusstsein und Besonnenheit. Leichtsinn und Selbstüberschätzung können schnell zu kritische Situationen führen, vor allem das Flugwetter sollte korrekt eingeschätzt werden. Gleitschirme sind nicht für Flüge in Turbulenzen konstruiert, die meisten schweren Unfälle passieren in derartigen Flugwetterlagen. Dennoch sind Gleitschirme trotz ihres instabilen Aussehens äußerst robust konstruiert. Sie müssen mindestens die achtfache Belastung aushalten, welche im Normalflug auftreten kann. Für Extremsituationen ist ein dreifacher Sicherheitspuffer einkalkuliert, mehr als die sonst in der Luftfahrt übliche Belastungsreserve. Daher sind Unfälle aufgrund von Materialversagen in der Gleitschirmfliegerei weitgehend unbekannt. Zusätzlich sorgen strenge Sicherheitsprüfungen für eine sehr hohe Flug- und Materialsicherheit. Moderne Rückenschutzsysteme und Rettungsfallschirme gehören heutzutage zur Pflichtausrüstung und haben zu einem drastischen Rückgang der Unfallraten beim Gleitschirmfliegen geführt.

Groundhandling – Ideales Training für Gleitschirmanfänger

Mit dem Begriff Groundhandling wird das Sicherheits- und Koordinationstraining mit dem Gleitschirm am Boden bezeichnet. Hierbei werden die Bewegungsabläufe zur Steuerung des Gleitschirms eingeübt. Das nahezu gefahrlose Groundhandling bringt jeden Anfänger schnell weiter. Unter einer kompetenten Anleitung können hier rasante Trainingsfortschritte erzielt werden. Aus ruckartigen und reißenden, hektischen oder zögerlichen Bewegungen werden elegant fließende Bewegungsformen. Beim Groundhandling lernt der Gleitschirmflieger, wie die Signale der Gleitschirmkappe schon im Ansatz erkannt werden und wie auf diese reagiert wird. Ebenso wird effektiv die unabhängige Koordination der Gliedmaßen zur Steuerung des Gleitschirms trainiert. Des Weiteren stellt es auch ein perfektes Fitnesstraining für den Piloten dar.

Das Umfeld auf der Wasserkuppe

Die Wasserkuppe ist die höchste Erhebung in der Rhön und damit auch im Bundesland Hessen (950 m). Trotz der zahlreichen Quellen entstammt der Name Wasserkuppe allerdings nicht dem Wort “Wasser”, sondern dem mittelhochdeutschen Wort “Wass”, welches einen Weideplatz bezeichnet. Weit über die Region hinaus ist die Wasserkuppe als Zentrum des Segelflugsports bekannt. Schon 1910 begannen hier die ersten Flugversuche mit Segelfliegern. Heute ist die Infrastruktur für Besucher und auch Flugschüler auf der Wasserkuppe sehr gut ausgebaut. Neben der Gleitschirmflugschule Papillon gibt es hier ein Segelflugzentrum, ein Segelflugmuseum, ein Informationszentrum zum Biospährenreservat Rhön, das sogenannte Groenhoff-Haus, mehrere Hotels, Restaurants und Geschäfte, eine Jugendbildungsstätte der DjO und eine Sommerrodelbahn. Des Weiteren steht hier das letzte von ursprünglich 5 Radomen, eine Radarkuppel die ursprünglich von den US-Streitkräften errichtet wurde und im späteren Verlauf an die Bundeswehr übergeben wurde. Die Radome dienten während des Kalten Krieges zur Aufklärung der innerdeutschen Grenze in der Nähe des strategisch wichtigen Fulda Gap. Heute wird das Radom als Veranstaltungsort für Kulturveranstaltungen genutzt.

Bilder: Pepijn Meyer zu Schlochtern | istock