23. April 2017 |
 
 
 

Führen Abzock-Geschäftsmodelle zum Aus von Unister?

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Die Firma Unister scheint in einen möglicherweise fatalen Abwärtsstrudel hinein geraten zu sein. Die aktuellen Ermittlungen zum angeblich illegalen Versicherungsverkauf und vermutlichen Steuerbetrug stellen dabei nur den Höhepunkt einer Entwicklung dar, die sich bereits seit einiger Zeit abzeichnet.

Denn es gibt eine Vielzahl von weiteren Berichten über dubiose Geschäftsmodelle und angeblichen Betrug seitens Unisters. Jeder für sich wiegt relativ schwer, zusammen genommen könnten sie mittelfristig das Aus für die Firma bedeuten. Die Firma beschäftigt über 1900 Mitarbeiter an 8 verschiedenen Standorten in Deutschland. Hauptgrund für diese Art des Geschäftemachens könnte der anscheinend übertriebene Ehrgeiz des Firmengründers Thomas Wagner sein. Dieser hatte in verschiedenen Interviews immer wieder zugegeben, “es mache ihm wirklich größte Freude, wenn wir in einem Markt der Schnellste oder Beste sind”.

Dieser Ehrgeiz äußerte sich wohl vermehrt in gierigem Verhalten und führte zu den womöglich betrügerischen Geschäftsmodellen bei Unister. Mittlerweile schlägt das Verhalten der Firma wohl auch auf die Mitarbeiterschaft durch, obwohl diese eigentlich für ihren starken Zusammenhalt bekannt ist. So sucht Unister unterdessen in Stellenanzeigen nach Quereinsteigern aus verschiedenen Branchen, um Personalverluste zu kompensieren.

Die einzelnen Betrugsvorwürfe im Überblick

Eine beständig größer werdende Zahl von Reiseanbietern, wie zuletzt TUI, kündigen ihre Zusammenarbeit mit Unister. Andere Anbieter, wie Thomas Cook, beobachten die Situation noch, aber die Wahrscheinlichkeit ist recht groß, dass auch diese die Zusammenarbeit kündigen werden. Begründet wird dies vor allem mit den Ermittlungen gegen Unister.
Die Firma habe auf ihren Reiseportalen neben den Reisen bei Vertragsabschluss auch einen “Stornoschutz” angeboten. Dieser habe laut den zuständigen Behörden den Charakter einer Versicherung und Unister verfüge nicht über die Genehmigung zum Verkauf von Versicherungen. Somit seien diese Versicherungen im Ernstfall nicht gedeckt.

Die JT Touristik Chefin Jasmin Taylor gab zuletzt in einem Interview bekannt, dass “die Unister-Kunden auch für überdurchschnittlich hohe Zahlungsausfälle sorgten. Sie verursachten 40 Prozent der Forderungsverluste bei JT Touristik und zusammen mit den marktunüblich hohen Vergütungsforderungen von Unister war dies betriebswirtschaftlich nicht mehr akzeptabel.”

Ein weiteres Beispiel für das finstere Geschäftsgebahren von Unister sind die Vorwürfe von Datenschützern darüber, dass die Kreditkartendaten von bis zu 400.000 Kunden bis in den Februar 2012 hinein nur unzureichend geschützt gewesen seien. In einem Angriff auf das Datenbanksystem von Unister konnten Hacker im Jahre 2009 wohl erfolgreich auf Kreditkartendaten zugreifen und diese dann an organisierte Betrügerbanden weiter verkaufen. Bereits damals kam es seitens Unisters nur durch massiven Druck der Kreditkartenkonzerne zu hohen Strafzahlungen. Es hat dennoch den Anschein, als ob die Firma einige Zeit gebraucht habe, um aus diesen Mißständen zu lernen und die richtigen Konsequenzen, in Form einer Sicherheitszertifizierung ihres Zahlungssystems, zu ziehen.

Auch auf dem Unister Portal Partnersuche.de soll es zu Betrug gekommen sein. Scheinbar wurden zahllose gefälschte Profile erstellt sowie gefakte Flirtnachrichten per Bot versendet, um interessierte Singles zum Abschluss eines Abonnements zu verleiten, wie die Zeitung „Die Welt“ berichtete. Besonders seit einem entsprechenden Artikel in der Zeitschrift Computer Bild (Ausgabe 15/2012) sieht sich Unister einer starken Kritik seiner Geschäftspraktiken ausgesetzt.